5. Tortour de Ruhr, 100 km, Hagen bis Duisburg (D), 15. Mai 2016

Herzlichen Glückwunsch an Steffi Schiffgen! Sie erreichte den 3. Rang bei der

5. Tortour de Ruhr, 100 km, Hagen bis Duisburg (D), 15. Mai 2016

Und besten Dank an Uli für den Bericht und an  Mely Bresser,  Burkhard Wagner und Uli für die Fotos:

 

Rangmeldung:

Steffi Schiffgen, 100 km, 3. Damen Overall, 11:34.02,2


Bericht von Uli:

Auf der Homepage war bereits vor dem Lauf nachzulesen, welche Message der Veranstalter Jens Vieler den über 200 angereisten Ultraläufern mit auf den Weg gibt. Auch die 5. Auflage des von Jens ins Leben gerufenen Langstreckenlaufs entlang des namensgebenden Flusses des Ruhrgebiets wird kein Kindergeburtstag. Dabei klingt der Name der kürzesten Distanz, `Bambinilauf`, zunächst nicht wirklich furchteinflössend, was sich jedoch schnell relativiert, wenn man einen Blick auf die Streckenlänge von 100 Kilometern wirft. Ganze Männer bzw. Frauen treten auf der Königsdisziplin an, die von der Quelle bis zur Mündung der Ruhr über stolze 230 km führt oder machen mindestens den Hundertmeiler.

Für Steffi war nach ihrem 12-Stundenlauf nur zwei Wochen zuvor in Basel der Bambinilauf über 100 km die Strecke ihrer Wahl. Der Start erfolgt morgens um 4:00 Uhr in Hagen am Hengsteysee, direkt an einer von Steffis Lieblingslaufstrecken in ihrer alten Heimat. Da es sich bei der Tortour um einen Selbstversorger-Lauf mit nur wenigen offiziellen Verpflegungsstellen handelt, wird sie von ihrem Vater auf dem Velo begleitet. Ich ziehe es vor, mit dem Auto verschiedene Posten an der Strecke anzusteuern. Und so geht es für Steffi in einem Läuferfeld von 55 Teilnehmern auf der ´Kurzstrecke´ los in die Nacht. Wie schon in Basel meint es das Wetter gut mit ihr. Bei Temperaturen um die 6° C macht sich die mit Stirnlampen ausgestattete Truppe auf den Weg ruhrabwärts, entlang des Ruhrradwegs. Die Ruhr ist der Ursprung der frühen Industrialisierung des Ruhrgebiets. So begibt man sich auch gleichzeitig auf eine Zeitreise, auf der neben viel idyllischer Natur und alten Fachwerkhäusern die Überbleibsel von Kohlezechen und Maschinenhallen zu sehen sind.

 

Nachdem die Städte Herdecke, Wetter, Witten und Bochum passiert wurden, machen sich in Essen so langsam Steffis Beine bemerkbar. Die Tortour ist doch anspruchsvoller als der Rundenlauf in Basel, bemerkt sie nach etwa zwei Dritteln der Strecke, als ich mich – jetzt auch in Laufklamotten – zu ihr geselle. Ich hatte das Auto in Essen abgestellt und möchte Steffi nur ein Stück begleiten, um zu sehen, wie sich meine einmal mehr zwickende Wade verhält. Je nachdem, wie es bei mir läuft, plane ich zum Ziel zu fahren und ihr ein Stück entgegenzulaufen, um den Lauf anschliessend mit ihr zu beenden. „Es ist gut, dass du da bist“, gibt mir Steffi zu verstehen und so geht es weiter der Ruhr entlang. Grüne Wiesen, Kühe, Wildgänse, die ersten Sportruderer erscheinen auf der Ruhr und junge Muskelmänner fragen Steffi, wie weit sie denn läuft, bevor die Ruderasse die Antwort laut und staunend wiederholen. Dann kommt unsere Freundin Mely angeradelt und vervollkommnet unseren Trupp. Noch 30 Kilometer bis zum Rheinorange in Duisburg, einer 25 Meter hohen Skulptur, die an der Ruhrmündung am Rhein steht.

 

Heute wird es hart für Steffi. „Jens hat recht, das Ganze ist kein Kindergeburtstag“, kommentiert die  Bambiniläuferin ihre aktuelle Stimmungslage. Ich bin immer noch dabei und halte mit etwas Anleitung von Steffi sogar ihre bevorzugte Reisegeschwindigkeit. Immer wieder gibt es  Applaus auf der Strecke, meist von den Begleitpersonen, die ihren Läufer von einem Streckenabschnitt zum nächsten begleiten. Ich mache mir Gedanken darüber, dass ich jetzt bald umkehren muss, um rechtzeitig beim Auto bzw. später im Ziel zu sein, da bittet mich Steffi, sie doch möglichst bis ins Ziel zu begleiten. Zu meiner Überraschung willige ich ein. Mühlheim an der Ruhr, ein Wasserturm, eine Pfingstkirmes zwingt uns zu einem kleinen Umweg. Ich habe Steffis restliche Cola weggesüppelt. Ihr Blick zeigt mir, das war so nicht geplant! Ich kontere mit einem Frieden stiftenden Lächeln.

Nur noch 5 km bis zum Ziel. Im `Rückspiegel` sichten wir eine weitere Läuferin. Noch ist Steffi die dritte Frau im Feld und den `Pokal` – in diesem Fall eine kleine Nachbildung des Rheinorange – hätte sie wirklich sehr, sehr gerne. Nach 30 Kilometern ungeplanter Laufbegleitung bin ich platt und mein gesamter linker Antriebsstrang brennt. Der dazu gehörende Rauch steigt mir in kleinen Wolken aus den Ohren und signalisiert Steffi, sich ohne mich zusammen mit ihren beiden Velofahrern Richtung Ziel aufzumachen. Ich wechsle die Schrittart. Kurz darauf werde ich von der vierten und der fünften Frau überholt. Beide sind lecker anzusehen, machen aber auch keinen taufrischen Eindruck mehr. Steffi wird sich ihr Rheinorange nicht mehr nehmen lassen. Im Ziel erzählt sie von der tollen Atmosphäre, die beim Einlauf geherrscht hat und dass alle Läufer frenetisch gefeiert und von Jens und Ricarda herzlich begrüsst wurden. Ein grossartiges Lauferlebnis für uns beide – und wann hat man als Zuschauer schon einmal die Gelegenheit, so nah bei einem Lauf dabei zu sein?